Verdacht auf Drogenkonsum

Hinweise und Handlungsmöglichkeiten für Eltern

Beitragsseiten

1. Einleitung

Auf den folgenden Seiten können Sie herausfinden, ob die Hinweise und Anhaltspunkte die Sie haben, auf einen Drogenkonsum Ihres Kindes schließen lassen.

Sie sollten sich ein wenig Zeit nehmen, und bereit sein, die folgenden 3 Seiten aufmerksam "durchzuarbeiten". Je objektiver Sie sind, um so aussagefähiger wird das Ergebnis für Sie sein.

  • Auf der nächsten Seite finden Sie Aussagen, die mögliche Hinweise für Drogenkonsum Ihres Kindes sein könnten. Sie sollten entscheiden, welche Aussagen aus Ihrer Sicht auf Ihre Situation zutreffen. Am Ende der Seite finden Sie eine Anleitung zur Auswertung der Aussagen.
  • Auf der übernächsten Seite finden Sie unter dem Punkt Erklärung eine grundlegende Beschreibung über Risikoverhalten im Jugendalter. Auch hier können Sie nochmals überprüfen, inwieweit das Genannte auf Ihr Kind zutrifft.
  • Auf der letzten Seite geben wir eine Empfehlung, die Ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzeigt, die in Ihrer Situation sinnvoll sind.

Hinweis

Sie werden hier keinen "Beweis" für den Drogenkonsum Ihres Kindes finden. Es ist zwar verständlich, dass Sie als Eltern(-teil) in dieser wichtigen Frage Gewissheit haben möchten. Aber bitte beachten Sie auch, dass es für ungewöhnliches Verhalten Ihres Kindes noch zahlreiche andere Erkärungen außer Drogenkonsum gibt.

Falls Sie dennoch zu einem recht eindeutigen Ergebnis kommen, sollte unsere Klärungshilfe gegenüber Ihrem Kind nicht als "Jetzt weiß ich was Du tust." sondern vielmehr als "Jetzt weiß ich, worüber wir reden sollten." genutzt werden.

Wenn Sie Unterstützung bei dieser schwierigen Aufgabe gebrauchen können, helfen wir Ihnen gern persönlich weiter.


2. Mögliche Hinweise















Auswertung

Die Aussagen 1 und/oder 10 sind Verdachtshinweise für den Konsum von Drogen. Wenn diese nicht zutreffen, sollten mindestens sechs andere Aussagen zutreffen, um als Hinweise für eventuellen Drogenkonsum zu gelten.


3. Erklärung

Drogenkonsum als eine Form von Risikoverhalten im Jugendalter - grundlegende Erläuterungen

Entwicklungsaufgaben der Jugendphase

Die Jugendphase als Übergang von Kindheit in den Erwachsenen-Status ist geprägt von der Bewältigung elementarer Entwicklungsaufgaben:

  • Akzeptanz des eigenen Körpers
  • Ablösung (auch emotional) von den Eltern realisieren
  • Kontakte zu Gleichaltrigen aufbauen
  • Werte und Normen für das eigene Verhalten entwickeln
  • schulische und berufliche Ausbildung zielführend bestreiten

Diesen Herausforderungen steht die reale Umwelt des Jugendlichen gegenüber, die mehr oder weniger passend wirkt, diesen Aufgaben gerecht zu werden.

Für den Jugendlichen vermitteln sich diese Entwicklungsaufgaben in Form von elementaren Grundbedürfnissen nach Unabhängigkeit, Gemeinschaft, Beziehungen, Selbstverwirklichung, intensivem Erleben und Selbstsicherheit. Jugendliche realisieren nun diejenigen Verhaltensweisen, die diese Grundbedürfnisse befriedigen (und damit der Erledigung der Entwicklungsaufgaben dienen).

Risikoverhalten wird dann gebildet, wenn die realen Bedingungen die Befriedigung der grundlegenden Bedürfnisse (dauerhaft) entgegenstehen und damit als negative Faktoren wirken, wie zum Beispiel:

  • instabile und konflikthafte Beziehungen zu den Eltern
  • unangemessene Erwartungen der Eltern
  • Schulversagen
  • Schwierigkeiten bei der Integration in eine Gleichaltrigengruppe
  • Gefühl der Benachteiligung gegenüber Anderen
  • Nichtakzeptanz des eigenen Körpers

Risikoverhalten

In diesem Kontext kann Risikoverhalten (eine spezifische Form ist der Konsum von Drogen) von einem Jugendlichen gewählt werden, um durch dieses Verhalten in einem subjektiv als schwierig empfundenen Umfeld grundlegende Bedürfnisse befriedigen zu können.

Die mittel- und langfristigen Folgen des riskanten Verhaltens (Drogenkonsum) werden ausgeblendet, weil der kurzfristige Gewinn (Befriedigung eines elementaren Bedürfnisses) im Vordergrund steht. Der Drogenkonsum kann zusätzlich zur Überblendung der als negativ empfundenen Lebenssituation dienen ("Problemflucht") und damit wesentlich verstärkt werden.

Dies ist der Kontext für den problematischen Drogenkonsum von Jugendlichen.

Probier- / Gelegenheitskonsum

Davon zu unterscheiden ist Probier- und/oder Gelegenheitskonsum von Jugendlichen, die eher wenig Profil zur Ausbildung von Risikoverhalten besitzen.

Es ist durchaus möglich, dass Jugendliche, auch über eine gewisse Zeit, gelegentlich, meist zu bestimmten Anlässen (Festivals, Partys) in den Jugendkulturen verbreitete Drogen (zum Beispiel: Cannabis, Ecstasy) einnehmen, und damit Risiken eingehen.
Sofern es sich bei diesem Verhalten aber nicht um "notwendiges" Verhalten (zur Erlangung wichtiger Bedürfnisse und/oder zur Minderung negativer Empfindungen) handelt, die für den Jugendlichen anders nicht realisiert werden können, ist das Gefährdungspotenzial durch diese Probehandlungen eher als gering zu bewerten.


4. Handlungsmöglichkeiten
bei vermutetem Drogenkonsum

Unterschiedliche Konsummuster

Wie auf der vorherigen Seite erläutert, kann der (vermutete) Drogenkonsum Ihres Kindes entweder ein Verhalten darstellen, das eher wenig Risiken in sich birgt und damit auch weniger Sorgen bereiten sollte.

Dazu gehören Konsumformen wie:

  • Experimenteller Drogenkonsum: Ein begrenztes Ausprobieren von Drogen aus Neugier, oder um andere Gefühlszustände zu erleben.
  • Sozialer Konsum: Drogen werden meist aufgrund ihrer entspannenden Wirkung im Freundeskreis zusammen eingenommen. Der Konsum ist häufiger als beim experimentellen Konsum, keinesfalls aber täglich. Es geht um positive Wirkung in der Gruppe.

Davon unterschieden werden sollten Konsumformen, die sich entwickeln, wenn der vermutete Drogenkonsum fester Bestandteil des Verhaltensrepertoires ihres Kindes geworden ist oder dies droht, weil der Drogenkonsum als subjektiv unentbehrlich zur Befriedigung grundlegender Bedürfnisse erscheint.

Es erscheint somit also vordringlich, das Verhalten Ihres Kindes hinsichtlich des bestehenden Risikos überhaupt erst einschätzen zu können.

Die Lebenssituation Ihres Kindes

Sie kennen Ihren Sohn, Ihre Tochter am Besten und können deshalb auch einschätzen, ob ihr Kind Probleme zwischen Anforderungen von Außen und eigenen Bedürfnissen aktuell oder bereits in der Vergangenheit zeigt(e).
Ist Ihr Kind gut integriert, den Anforderungen gewachsen, mit sich und der Lebenssituation im Allgemeinen zufrieden, oder eher nicht? Gibt es Probleme in verschiedenen Bereichen, eine eher belastete Lebenssituation? Dies ist der Kontext, um das Verhalten vom Risikoprofil zu bewerten.

Was Sie tun können

Was Sie in fast jedem Fall tun sollten, ist, das Gespräch mit Ihrem Kind zu suchen.
Sie können aber nur dann wahrheitsgemäße Äußerungen Ihres Kindes erwarten, wenn Sie diese nicht von vornherein unter Strafandrohung stellen.
Sie haben Angst, sind emotional angespannt. Das ist verständlich. Versuchen Sie dennoch, diese Spannungen vor dem Gespräch abzubauen, denn sie sind nicht gerechtfertigt. Auch wenn akute Vergiftungssituationen vorkommen können (wie auch beim Alkoholkonsum) besteht das Hauptrisiko beim Drogenkonsum in der Verfestigung als häufiger oder zwanghafter Konsum.

In den Gesprächen mit Ihrer Tochter/ Ihrem Sohn ist es natürlich gerechtfertigt, dass Sie Ihren Sorgen Ausdruck verleihen. Aber, das allein wird Ihr jugendliches Kind nicht davon abhalten, weiterhin Drogen zu konsumieren (wenn es das tut).
Aussichtsreicher ist es, in den gemeinsamen Gesprächen zu erkennen, warum und wie Drogenkonsum stattfindet. Denn dadurch kann das Ausmaß des Risikos sichtbar gemacht werden.

Experimenteller / sozialer Konsum

Konsumformen wie der oben beschriebene experimentelle oder soziale Konsum von Drogen mit eher geringem Suchtpotential und einer geringen Problembelastung Ihres Kindes erlauben eine Bewertung im Sinne eines vorübergehenden jugendlichen Verhaltens.

Sollte sich eher dieses Bild ergeben, wie handeln Sie dann?

  • Vielleicht gelingt es Ihnen, gelassen zu bleiben. Gleichwohl Ihr Kind vertrauensvoll zu begleiten und aufgrund des beiderseitigen Vertrauens mögliche Gefährdungen zu erkennen, die zurzeit zwar eher nicht bestehen, aber: Wer kann schon in die Zukunft sehen?
  • Stärken Sie die Selbstentscheidungskompetenzen Ihres Kindes, nehmen Sie Abstand von Verboten, die diese Kompetenzen schädigen.
  • Sprechen Sie nicht zu häufig über den Drogenkonsum Ihres Kindes. Bleiben Sie dennoch aufmerksam und vermeiden Sie jegliche Dramatisierungen und Verengungen.
  • Geduld und Gelassenheit sollten Ihre Haupttugenden sein. Helfen Sie Ihrem Kind, die schwierigen Anforderungen von außen und innen zu bewältigen.

Problematischer Konsum

Was aber, wenn Sie davon ausgehen müssen, dass es sich nicht um eher unproblematische Konsumformen handelt? Wenn Sie in Kenntnis Ihres Kindes von Risiken wissen? Wenn die Gefahr besteht, dass der Drogenkonsum missbraucht wird, um sonst nicht realisierbare Bedürfnisse zu befriedigen oder um vor Konflikten zu "fliehen"?

Häufig ist es dann auch so, dass die Beziehung Ihres Kindes zu Ihnen belastet ist, Gespräche kaum noch möglich erscheinen. Ein Eingreifen ist bei diesen Problemkonstellationen aber zwingend erforderlich! Abwarten hieße hier, der Manifestation eines pathologischen Drogenkonsums mit den erwartbaren negativen Folgen für die Belastung des späteren Lebens nichts entgegen zu setzen.

Daher ist es notwendig, dass sich Ihr Kind den realen Gefahren stellt. Sie werden bei Ihrem Kind Phasen der Unerreichbarkeit erleben, aber auch Phasen, in denen Gespräche möglich sind. Werten Sie Ihr Kind nicht ab, versuchen Sie aber, die Ihnen bekannten Belastungen in der Lebenssituation Ihres Kindes anzusprechen, um deutlich zu machen, dass eine fachliche Beratung sinnvoll ist. Bleiben Sie "am Ball", wiederholen Sie diese Notwendigkeit, ohne Zwang auszuüben. Benennen Sie, dass es nicht um Sanktionen für "schlechtes" Verhalten geht, sondern um Hilfe. Hilfe zur Überwindung ungünstig wirkender Bedingungen, um Bedürfnisse angemessen befriedigen zu können.

Hilfe

Möglicherweise ist es in Ihrer Situation sinnvoll, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Natürlich können Sie sich auch ohne Mitwirkung Ihres Kindes beraten lassen (persönlich, telefonisch oder online).

Wie Sie Kontakt mit uns aufnehmen können, erfahren Sie hier.