Exzessive Mediennutzung

Beratung für Betroffene und Angehörige

"Onlinesucht" – gibt es das wirklich?

Die rasant gestiegene Verfügbarkeit und Bedeutung des Internets führt dazu, dass immer mehr Menschen immer mehr Zeit im Internet verbringen. Für einige von ihnen bringt das Probleme mit sich: sie geraten in den Sog des „World Wide Web“, vergessen und vernachlässigen darüber das reale Leben – mit deutlich negativen Folgen für das Familienleben, für Schule, Ausbildung, Beruf. Manche verlieren die Fähigkeit, ihren Umgang mit Onlinemedien selbstbestimmt zu steuern.

Beratung bei exzessivem Medienkonsum für Betroffene und Angehörige

Betroffene

Es gibt immer häufiger Menschen, die ihren Umgang mit Onlinemedien nur schwer kontrollieren können und die dadurch in Schwierigkeiten geraten. Jugendliche sind dabei besonders gefährdet. Das Beratungsangebot für Betroffene richtet sich an Jugendliche und an Erwachsene, die sich Klarheit über ihren Umgang mit Onlinemedien (z.B. Gamen, Social Media) verschaffen möchten oder Hilfe für ihren Umgang damit suchen.

Angehörige und Fachkräfte

Das Beratungsangebot für Angehörige und Fachkräfte richtet sich an Personen, die sich Sorgen um Andere und deren Medienkonsum machen (z.B. Eltern, Partner*innen, Lehrer*innen). Oft sind es zuerst Angehörige, die sich Sorgen machen, ob ihre Kinder oder ihr Partner, ihre Partnerin nicht vielleicht zu viel Zeit im Internet verbringt. Eine Beratung macht auf jeden Fall auch Sinn, wenn der Betroffene seinen Medienkonsum noch nicht kritisch sieht.

Beratung

Sie können sich -auch anonym- persönlich, telefonisch oder online beraten lassen. Eine Übersicht aller Beratungsmöglichkeiten finden Sie hier. Die Möglichkeit, einen Beratungstermin online reservieren zu lassen, finden Sie hier. Unsere Onlineberatung finden Sie hier.

Links

Links zum Thema Mediennutzung finden Sie hier.

Über das Projekt

5 Jahre Mediensuchtberatung – ein Resümee

Über das Thema Medienabhängigkeit war lange Zeit häufig in den Medien zu hören und zu lesen. Da wurden Zahlen genannt wie 2% der Bevölkerung in Deutschland ist abhängig vom Internet. Bei den Jugendlichen seien es bis zu 5% .

Im Gegensatz dazu steht die geringe Anzahl der Ratsuchenden ebenso wie das scheinbar geringe Interesse von Eltern an Präventionsveranstaltungen zu diesem Thema.

Über diese Diskrepanz kann man sich Gedanken machen: Ein Grund könnte darin liegen, dass ein großer Teil der Menschen mit problematischer Onlinenutzung im sozialen Kontakt eher unsicher und zurückhaltend ist und wie jeder Abhängige große Angst vor dem Verlust des „Suchtmittels“ hat.

Ein weiterer Grund der Vermeidung dieses Themas könnte in der Tatsache begründet sein, dass die Internetnutzung im privaten Bereich inzwischen zum Alltag gehört wie das Atmen und auch aus beruflichen Anforderungen bei den wenigsten Tätigkeiten noch wegzudenken ist. Da kann man sich vorstellen, wie groß der Widerstand sein muss, sich in diesem Bereich auch nur der Frage zu stellen, ob es da ein Problem geben könnte.

Im Gegenteil scheint es heutzutage einen hohen Wert zu haben, wie sicher man sich in der digitalen Welt bewegen kann und ob man die neueste Technik besitzt und sich diese leisten kann.

Beratung

Aus meiner Beratungstätigkeit weiß ich, wie enorm schwer es Betroffenen fällt, sich einen Kontrollverlust in diesem Bereich einzugestehen. Und wenn sie den mutigen Schritt zur Beratung und manchmal auch zur Therapie getan haben, finden sie nicht immer Verständnis dafür im Freundeskreis. Rückfälle sind oft sehr schambesetzt. Gerade die Freunde, die selbst viel spielen, zweifeln den Krankheitswert einer Onlineabhängigkeit gerne an und vertreten die Ansicht, das müsse man allein in den Griff bekommen.

Bei den Eltern ist es vielleicht so, dass sie lange versuchen, selbst mit dem Problem fertig zu werden und von Schuldgefühlen geplagt sind, was sie vielleicht falsch gemacht haben könnten, so dass ihr Kind sich in der digitalen Welt zu verlieren scheint. Welche dieser Mutmaßungen nun zutreffen mag und welche nicht, sei dahin gestellt.

re:set! Projekt

Das Land Niedersachsen fördert mit dem re:set-Projekt den Aufbau von speziellen Angeboten zur Beratung und Hilfe bei Mediensucht oder Mediensuchtgefährdung an 16 Standorten in Niedersachsen, damit Betroffene und besorgte Angehörige künftig mehr qualifizierte Beratungs- und Hilfeangebote vorfinden. Einer dieser Standorte ist die Jugend- und Drogenberatung Wolfsburg.

Die Mitarbeiterin Annette Haring aktualisiert ihre Beratungskompetenz laufend durch aktuelle Fortbildungen zum Thema. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet von der MHH (Medizinische Hochschule Hannover).